Kongress

Bordnetze Digital 2026

24. September 2026

Ihre Ansprechpartnerin

Frau Alexandra Popa

Alexandra Popa ist Transfer- und Kommunikationsmanagerin bei ARENA2036 e.V.

Rückblick Bordnetze Digital 2026: Erst die Hausaufgaben, dann die KI

Was braucht es, damit aus digitalen Modellen, durchgängigen Daten und künstlicher Intelligenz tatsächlich bessere Entwicklungs- und Produktionsprozesse werden? Bei Bordnetze Digital 2026 führte die Antwort überraschend oft zurück zu den Grundlagen.

Video: Robin Mümmler / ARENA2036

Über 100 Teilnehmende aus mehr als 40 Unternehmen und Institutionen kamen am 24. September bei Bordnetze Digital 2026 in der ARENA2036 in Stuttgart zusammen. Zehn Vorträge, 14 Speaker und sieben Aussteller bildeten den Rahmen für einen Tag, an dem viel über KI gesprochen wurde. Mindestens ebenso häufig ging es aber um die Voraussetzungen dafür.

Den Ton setzte Dr. Siegmar Haasis. In seiner Keynote spannte er den Bogen vom klassischen Kabelbaum zum „digitalen Nervensystem“ des Fahrzeugs und von digitalen Zwillingen bis zur künstlichen Intelligenz. Seine zentrale Forderung: „Lasst uns erst die Hausaufgaben machen, bevor wir in KI einsteigen.“

 

Ohne Daten keine KI

Mit Hausaufgaben meinte Haasis vier Dinge: Daten müssen verfügbar sein, der Zugriff muss funktionieren, die Qualität muss stimmen – und es braucht Anwendungsfälle mit tatsächlichem Mehrwert.

Wie konkret das wird, zeigte 4Soft am Änderungsmanagement: Statt komplette Modelle immer wieder neu abzugleichen, sollen Änderungen gezielt und maschinenlesbar weitergegeben werden. Dafür müssen Systeme Objekte eindeutig wiedererkennen können. Auf dieselbe Voraussetzung stießen auch S-IT bei der Verknüpfung von Systemmodell und Bordnetzdaten und Vector beim Austausch zwischen OEM und Zulieferer: Ohne stabile Identitäten bleibt der Digital Thread brüchig.

Wie funktionierender Datenzugriff im Konzernmaßstab aussieht, zeigte Volkswagen: Der cloudbasierte Bauteilkatalog VMDS versorgt die Bordnetz-Toolkette über Schnittstellen statt über Dateiexporte, mit dem VEC als Referenzmodell.

Damit wird die Ende-zu-Ende-Perspektive greifbar, die Haasis eingefordert hatte: Digitalisierung entfaltet ihren Wert erst, wenn Informationen über Prozess- und Systemgrenzen hinweg nutzbar bleiben.

 

KI wird konkreter

Auch die Diskussion um künstliche Intelligenz wird konkreter. aivato zeigte, wie KI Engineering-Aufgaben über Systemgrenzen hinweg verbindet – etwa vom erkannten Einsparpotenzial bis zum geänderten CAD-Modell in zwei Minuten. DI.IT brachte die Perspektive der Produktion ein: Machine Learning in der Crimpprüfung senkte die Fehlalarme bei Gutteilen um 90 Prozent. fleXstructures verband standardisierte Bordnetzdaten mit Simulation, sodass das System nach einer Konstruktionsänderung selbst Varianten erzeugt und bewertet.

So unterschiedlich die Anwendungen sind, die Voraussetzung ist ähnlich: KI kann nur mit Informationen arbeiten, die verfügbar, strukturiert und interpretierbar sind. Damit verschiebt sich die Frage zunehmend vom „Geht das?“ zum „Wie lässt sich das in bestehende Prozesse integrieren und skalieren?“

 

Vom digitalen Modell in die Produktion

Gleichzeitig wird die Grenze zwischen digitalem Engineering und physischer Produktion durchlässiger. Eisbach Robotik zeigte, wie Engineering-Daten mit neuen Robotikansätzen verbunden werden können, um auch variable Arbeitsschritte in der Leitungssatzmontage stärker zu automatisieren.

Auch beim Digitalen Produktpass, den XITASO und ARENA2036 thematisierten, tauchten bekannte Fragen wieder auf: Wie werden Komponenten eindeutig identifiziert und wie können Daten zuverlässig über Unternehmensgrenzen hinweg ausgetauscht werden?

Unterschiedliche Anwendungen – ähnliche digitale Grundlagen.

 

Die Gespräche dazwischen

Dass Bordnetze Digital nicht nur als Vortragsprogramm gedacht ist, machte Wolf Rumpelt von ARENA2036 schon bei der Begrüßung deutlich. Die Pausen seien eigentlich „Netzwerkpausen, wo es zufälligerweise auch was zu essen und zu trinken gibt“.

Entsprechend wurde zwischen den Vorträgen weiterdiskutiert, in Gesprächen ebenso wie in der begleitenden Ausstellung. Mit dabei waren S-IT Application Engineering & Consulting, fleXstructures, 4Soft, aivato, smartCable, der Transformations-Hub Leitungssatz und das Reallabor Industrial Metaverse der ARENA2036.

Bordnetze Digital wird seit 2024 von ARENA2036 und prostep ivip gemeinsam in Stuttgart ausgerichtet. Durch den Vormittag führte Wolf Rumpelt von ARENA2036, am Nachmittag übernahm Nora Tazir von prostep ivip die Moderation.

 

Von den Hausaufgaben zum digitalen Mut

Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass die Diskussion konkreter geworden ist. Es geht weniger darum, ob KI, digitale Zwillinge oder Automatisierung die Bordnetzentwicklung verändern. Entscheidend wird, wie Daten, Modelle und Prozesse beschaffen sein müssen, damit daraus belastbare industrielle Anwendungen entstehen.

Damit schließt sich der Kreis zur Keynote. Die Hausaufgaben mögen weniger spektakulär sein als die nächste KI-Anwendung. Ohne sie wird es schwer, aus technologischen Möglichkeiten industrielle Realität zu machen.

Haasis setzte ans Ende seines Vortrags noch einen zweiten Begriff: „digitaler Mut“.

Vielleicht braucht die Branche gerade beides: saubere digitale Grundlagen – und den Mut, darauf tatsächlich Neues entstehen zu lassen.

Wir danken allen Teilnehmenden, Referenten sowie Ausstellern für ihren Beitrag und freuen uns schon jetzt darauf, die Diskussion im kommenden Jahr fortzusetzen – am 30. September 2027 in der ARENA2036.

Präsentationen und Unterlagen der Veranstaltung

Hier finden Sie die Vorträge der Referenten, die im Rahmen von Bordnetze Digital 2026 präsentiert und für die Veröffentlichung freigegeben wurden. Die entsprechenden Dateien stehen zum Download bereit.

 

Vortrag #1:
Vom Kabelbaum zum digitalen System: Wie Datengetriebene Entwicklung, Virtualisierung, KI und China Speed das Bordnetz-Engineering transformieren

 

Download

Dr. Siegmar Haasis, CEO & Founder, HaasisDEC - Digital Engineering Consulting

Vortrag #2:
VEC als Referenz – VMDS als Umsetzung: VOBES Komponentenmanagement im VW Konzern

Download

Frank Syring, Product Owner VMDS & Jorgos Kyriazis, Product Manager VOBES, Volkswagen AG

Vortrag #3:
Inkrementeller Austausch von Änderungsinhalten in der modellbasierten Entwicklung

Download

Johannes Becker, Geschäftsbereichsleiter Bordnetze, 4Soft GmbH

Vortrag #4:
From Best-Cost to AI: Massive Efficiency Gains Ahead

Download

Armin Hager , Aivato Inc. (ehemals Voitas North America Inc.)

Vortrag #5:
From DataDriven Insights to Adaptive Production: AI in Wire Harness Manufacturing

Download (Status: nicht freigegeben)

Dr. Ing. Martin Weickgenannt, VP CoC Smart Factory Solutions, Komax AG und Managing Director DiIT GmbH

Vortrag #6:
Vom Konzept zur Bordnetzarchitektur: SysML v2 als Brücke zwischen SystemsEngineering und Bordnetzentwicklung

Download

Nicola Wolter, S-IT Application Engineering & Consulting GmbH

Vortrag #7:
From PDF to Action: enabling autonomous wire harness manufacturing

Download (Status: nicht freigegeben)

Lukas Knak & Jan Olsson, Eisbach Robotik

Vortrag #8:
Der Digitale Produktpass für den Leitungssatz

Download

Dr. Alwin Hoffmann, Head of Industrial Digital Twin (AAS/DPP) Solutions, XITASO GmbH & Markus Rentschler, Forschungskoordinator, ARENA2036

Vortrag #9:
Von Datenqualität zu Design-Automation: Physikbasierte Leitungssatzauslegung auf Basis standardisierter KBL-/VEC-Prozesse

 

Download

Daniel Dengel, Head of Business Development, fleXstructures GmbH

Vortrag #10:
Connected Change: Transforming Wiring Harness Development Through Data Continuity

Download

Harald Bucher, Senior Product Management Engineer, Vector Informatik GmbH

 

Die vollständige Agenda ist hier einsehbar.

Impressionen

Bilder: Nils Vossler / ARENA2036

Bordnetze Digital 2027: Save the Date!
Bordnetze Digital 2027 findet am 30. September in der ARENA2036 statt

Schon jetzt beginnt die Planung für die nächste Ausgabe: Bordnetze Digital 2027 findet am 30. September 2027 in der ARENA2036 statt. Das Konzept des Kongresses mit einer ausgewogenen Mischung aus Fachvorträgen, Ausstellung und Networking-Möglichkeiten rund um aktuelle Entwicklungen in der Digitalisierung der Bordnetz-Branche bleibt grundsätzlich bestehen. Der Call for Papers wird Anfang 2027 veröffentlicht, Themenvorschläge können aber natürlich bereits jetzt eingereicht werden.

Wir freuen uns darauf, im kommenden Jahr sowohl auf bekannte als auch auf neue Teilnehmende zu treffen.