TP1 –
Design Rules Leitungssatz
Automationsfreundliches Leitungssatz-Design
Ihr Ansprechpartner
Dr. Carsten Kübler
Manager Smart Drive innovation, TWT GmbH Science Innovation
TP1 – Gestaltungsrichtlinien für Niedervolt-Leitungssätze
Das Teilprojekt 1 (TP1) widmet sich der Entwicklung und Standardisierung von Gestaltungsrichtlinien, die eine automatisierungsgerechte Auslegung von Niedervolt-Leitungssätzen ermöglichen. Ziel ist es, durch strukturierte Vorgaben eine technische Grundlage zu schaffen, mit der sich die Komplexität in Konstruktion und Fertigung signifikant reduzieren lässt – ein entscheidender Hebel für die Automatisierung in der Leitungssatzproduktion.
Im Zentrum stehen dabei drei wesentliche Einflussfaktoren:
- die Vielfalt und Auswahl eingesetzter Komponenten,
- die Komplexität der Verarbeitungsprozesse,
- sowie die strukturelle Organisation und Entmaschung des Leitungssatzes.
Die in TP1 entwickelten Gestaltungsrichtlinien unterscheiden zwischen verbindlichen Regeln und unverbindlichen Empfehlungen. Während die Regeln klar prüfbar sind und in digitalen Werkzeugen automatisiert ausgewertet werden können, sollen Empfehlungen Orientierung bieten, ohne konkrete Umsetzungspflichten auszulösen. Beide Typen fließen systematisch in die DIN 72036 ein und bilden dort den normativen Rahmen für NV-Leitungssätze.
Trotz zunehmender Bedeutung von Hochvolt- und Hochfrequenzsystemen stellen Niedervolt-Leitungssätze weiterhin den größten Umfang im Bordnetz eines Fahrzeugs dar. TP1 hat daher eine zentrale Rolle innerhalb der SILS – nicht nur, weil es den Standard für NV-Leitungssätze prägt, sondern weil es gleichzeitig auch eine Referenz für andere Applikationsebenen darstellt. Mehrere der erarbeiteten Gestaltungsrichtlinien werden in TP4 (HV) und TP5 (HF) auf Übertragbarkeit geprüft und dort weiterentwickelt.
Ein bedeutender Fortschritt der Normversion 2 war die Einführung des sogenannten Normkonformitätsgrads (Degree of Design for Automation, DDA). Diese Kennzahl erlaubt eine objektive Bewertung der Automatisierungsfreundlichkeit eines Leitungssatzdesigns bereits in frühen Entwicklungsphasen. Damit wird eine Rückkopplung zwischen Design und Fertigung geschaffen, die sowohl Transparenz als auch gezielte Optimierung ermöglicht.
Darüber hinaus engagieren sich Mitglieder aus TP1 aktiv in der Taskforce Prozesse, die eine durchgängige digitale Prozessbeschreibung innerhalb der Leitungssatzproduktion erarbeitet. Für die Version 3 der Norm bringt TP1 wesentliche Impulse ein, darunter:
- die standardisierte Modellierung modularer Leitungssätze,
- die Definition von Regeln für das Zusammenfügen und Trennen von Teilumfängen,
- sowie die systematische Beschreibung und Integration von Leitungsschutz- und Halterteilapplikationen.
Auch der Themenbereich Vermaschung und die Festlegung potenzieller Zielwerte für komplexe Leitungssätze sind aktuell in Bearbeitung. Ziel ist es, die Komplexität quantifizierbar zu machen und daraus ableitbare Empfehlungen zur Strukturierung abzuleiten.
Mit TP1 entsteht ein tragfähiger Kern der DIN 72036 – ein Werkzeugkasten für Entwickler und Fertiger gleichermaßen, der nicht nur technische Richtlinien liefert, sondern auch dazu beiträgt, die Automatisierung des Bordnetzes vom Prinzip zur industriellen Praxis zu machen.
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