TP7 –

Digitale Produktbeschreibung

Standardisierung und Erweiterung von Datenprofilen

Ihr Ansprechpartner

Johannes Becker

Geschäftsbereichsleiter Bordnetze und IT Berater,
4Soft GmbH

TP7 – Digitale Produktbeschreibung (KBL/VEC)

Teilprojekt 7 (TP7) ist das zentrale Teilprojekt für alle Themen rund um die digitale Beschreibung von Leitungssätzen. Sein Fokus liegt auf der Entwicklung und Standardisierung von Datenprofilen, mit denen sich Gestaltungsrichtlinien nicht nur beschreiben, sondern auch digital überprüfen lassen. Damit leistet TP7 einen entscheidenden Beitrag zur Durchgängigkeit – denn ohne strukturierte, maschinenlesbare Daten kann keine automatisierte Fertigung greifen.

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Leitungssätze in der Praxis häufig nicht automatisierungsgerecht ausgelegt sind. Die Gründe dafür liegen nicht allein in technischen Limitierungen, sondern in fehlenden branchenweiten Standards für die digitale Beschreibung – sowohl auf Bauteilebene als auch auf der Ebene des Gesamtleitungssatzes.

Genau hier setzt TP7 an: Ziel ist es, aus den Gestaltungsrichtlinien der DIN 72036 konkrete Datenbedarfe abzuleiten, die sich in digitalen Entwicklungswerkzeugen eindeutig hinterlegen und validieren lassen. Die Basis bilden die in der Branche etablierten Austauschformate KBL (Kabelbaumliste) und VEC (Vehicle Electric Container). Um die Formate nutzbar zu machen, wurden in TP7 erstmals verbindliche Datenprofile definiert, darunter:

  • ein VEC-basiertes Profil für Komponenten,
  • ein VEC-basiertes Profil für Leitungssätze,
  • sowie ein KBL-basiertes Profil für Leitungssätze.

Diese Profile definieren konkret, welche Informationen zur Verfügung stehen müssen, um z. B. die Einhaltung von Mindestbiegeradien, Verzweigungspunkten, Leitungsstrukturen oder Toleranzfenstern softwareseitig überprüfen zu können. Dabei gilt: Nur prüfbare Gestaltungsrichtlinien sind auch durchsetzbar. Eine Ausnahme bilden aktuell die Komponentenrichtlinien, die nicht in jedem Fall voll digital bewertbar sind – hier setzt TP7 auf ergänzende Strategien.

Die ersten Datenprofile wurden bereits DIN 72036:2024 aufgenommen – als eigenständiges Kapitel mit definierten Anforderungen an die digitale Produktbeschreibung. In der Normversion 2 wurden diese Profile gezielt weiterentwickelt, inhaltlich konkretisiert und an den aktuellen Stand der Datenformate, insbesondere des VEC, angepasst. TP7 übernimmt die fachliche Verantwortung für das zugehörige Normkapitel (Kapitel 6) – inklusive Qualitätssicherung, Konsistenzprüfung und Fortschreibung im Zuge jeder neuen Normversion.

Zudem koordiniert TP7 die systematische Meldung technischer Lücken („Issues“) an die verantwortlichen Standardisierungsgremien vom VEC. Ziel ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Formate, um eine branchenkompatible, interoperable und langfristig zukunftsfähige Datenbasis sicherzustellen – nicht nur für die Norm selbst, sondern auch für nachgelagerte Softwarelösungen und Produktionssysteme entlang der gesamten Leitungssatz-Wertschöpfungskette.

Im Zuge der Arbeiten an Version 3 der Norm rücken zudem neue Aspekte der digitalen Produktbeschreibung in den Fokus – darunter insbesondere Komponentenattribute, Prüfmerkmale sowie prozessrelevante Informationen, die für die Automatisierung entlang der gesamten Fertigungskette entscheidend sind. Um diese Inhalte systematisch zu erschließen und konsistent in die Prozesslandschaft zu integrieren, bringt Teilprojektleiter Herr Becker seine informatikorientierte Perspektive aktiv in die Taskforce Prozesse ein. So wird sichergestellt, dass digitale Produkt- und Prozessdaten nahtlos ineinandergreifen – und die Norm auch im Hinblick auf Datenflüsse, Prüfprozesse und Automatisierungsschnittstellen zukunftsfähig aufgestellt ist.

 

TP7 ist das Datengewissen der SILS: Es übersetzt technische Anforderungen in prüfbare Datenmodelle – und schafft so die Grundlage für echte Automatisierung auf digitaler Basis.