TP4 –
Hochvolt-Leitungssätze
Erweiterung der Norm auf Hochvolt-Leitungssätze
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Helmut Wichmann
Director Global Product Management & Marketing Wires & Cables,
Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG
TP4 – Hochvolt-Leitungssätze
Mit Teilprojekt 4 (TP4) erweiterte die SILS ihre Normarbeit gezielt in den Bereich der Hochvolt-Leitungssätze (HV). Während sich die erste Normversion (V1) auf ungeschirmte Niedervolt-Leitungen konzentrierte, rückten nun Anwendungen in den Fokus, die in modernen E-Fahrzeugen von zentraler Bedeutung sind – insbesondere in der Hochvolttechnik. Diese Systeme arbeiten heute mit Bordspannungen von bis zu 800 Volt und verbinden Komponenten wie Batterien, Leistungselektronik und E-Motoren über spezialisierte Leitungssätze.
Hochvolt-Leitungssätze unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht grundlegend vom NV-Bereich:
Sie sind überwiegend als Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ausgelegt, häufig geschirmt, weisen größere Leiterquerschnitte auf und benötigen spezifische Verbindungs-, Prüf- und Schutztechnologien. Auch das Sicherheitsniveau ist höher – thermische, elektrische und mechanische Belastungen müssen bei der Gestaltung konsequent berücksichtigt werden.
Zu Beginn seiner Arbeit in Phase 2 hat TP4 zunächst alle bestehenden Gestaltungsrichtlinien aus dem NV-Bereich gesichtet und auf ihre Übertragbarkeit auf HV-Anwendungen geprüft. Erste spezifische HV-Richtlinien wurden bereits in die Normversion 2 eingebracht – ein wichtiger Schritt, um auch den Hochvoltbereich systematisch normativ abbilden zu können.
Mit Blick auf die Normversion 3 (V3) liegt der Fokus nun auf der systematischen Entwicklung eigener GRs für Hochvolt-Komponenten und -Leitungssätze. Ein umfangreicher Themenkatalog liegt bereits vor und wird schrittweise aufgearbeitet. Inhalte reichen von Richtlinien für Leitungsdesign und Schirmung über Verteilerkonzepte bis hin zu komponentenspezifischen Anforderungen an Steckverbinder und Isoliermaterialien.
Ein weiteres Entwicklungsziel ist die Übertragung des Normkonformitätsgrads (DDA) auf den HV-Bereich. Dabei muss die Bewertungslogik angepasst werden – da viele Parameter aus dem NV-Bereich, etwa die Anzahl von Verzweigungen oder Blockloadings, bei HV-Leitungssätzen keine Rolle spielen. Die neue DDA-Logik berücksichtigt stattdessen die spezifischen Bedingungen von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und schafft so eine objektive Bewertungsgrundlage für HV-Designs.
Ein weiterer Innovationsbaustein in TP4 ist ein begleitendes F&E-Projekt zur Laserkennzeichnung von HV-Leitungen. In Kooperation mit einem führenden Hersteller (Domino Laser) wurden unterschiedliche Leitungstypen lasermarkiert, um die Eignung verschiedener Mantelmaterialien zu prüfen. Ziel ist es, die Voraussetzungen für standardisierbare, automatisierbare Nachbedruckungsprozesse zu definieren – ohne vertrauliches Know-how zu kompromittieren. Die Ergebnisse sollen neben der Norm auch in ein begleitendes Whitepaper einfließen, das branchenweit Orientierung bietet.
Mit TP4 erhält die DIN 72036 eine tragfähige Erweiterung in den Hochvoltbereich. Die Ergebnisse dieses Teilprojekts legen den Grundstein dafür, dass auch elektrische Hochleistungsverbindungen zukünftig normgerecht, prüfbar und automatisiert produzierbar gestaltet werden können.
TP4 verbindet Automatisierungspotenzial und technologischen Fortschritt – und macht die Norm anschlussfähig für das elektrische Fahren von morgen.
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